Steuern & Buchhaltung

Schweizer Abschreibungssätze
für Selbständigerwerbende

Degressiv vs. linear, offizielle Richtwerte (KMU-Portal), Tabelle nach Anlagekategorie, Beispiele (Laptop/IT, Auto, Maschinen), Sonderfälle und FAQ – damit deine Steuererklärung sauber bleibt.

Steuern und Abschreibungen in der Schweiz

Schweizer Abschreibungssätze (jährliche Abschreibung) für Selbständigerwerbende – Tabelle, Methoden & Beispiele

Wenn du selbständig erwerbend bist (Einzelfirma/Freelance) und Geräte, Fahrzeuge oder Maschinen fürs Geschäft kaufst, stellt sich schnell die Frage: Wie viel darf ich jedes Jahr als Abschreibung abziehen?

Dieser Guide zeigt dir praxisnah:

  • Welche Abschreibungsmethoden in der Schweiz üblich sind (degressiv vs. linear)
  • Eine übersichtliche Tabelle mit den offiziellen Maximalsätzen (Richtwerte)
  • Konkrete Beispiele (Laptop/IT, Auto, Maschinen)
  • Wichtige Sonderfälle (Energiespar-Investitionen, Nachholabschreibung, Kantonsunterschiede)
  • Eine Checkliste für saubere Belege & weniger Stress bei der Steuererklärung

Hinweis zur Sicherheit: Die untenstehenden Sätze sind Maximalsätze/Richtwerte und basieren auf der offiziellen Orientierungshilfe des Schweizer KMU-Portals. Kantone können abweichen, und Abschreibungen müssen wirtschaftlich begründbar sein. Quelle: KMU-Portal (kmu.admin.ch), „Annual depreciation for self-employed workers“, Stand 18.03.2025:
https://www.kmu.admin.ch/kmu/en/home/concrete-know-how/finances/taxes/tax-exempt/depreciation-self-employed.html

Was bedeutet Abschreibung in der Schweiz (für Selbständige)?

Eine Abschreibung verteilt die Kosten eines langlebigen Wirtschaftsguts (z. B. Laptop, Kamera, Fahrzeug, Maschine, Möbel) über mehrere Jahre. Statt den ganzen Betrag im Kaufjahr als Aufwand zu verbuchen, wird der Wert jährlich reduziert.

Warum das wichtig ist:

  • Du senkst deinen steuerbaren Gewinn (und damit typischerweise deine Steuerlast).
  • Deine Buchhaltung zeigt realistischer, wie stark ein Gegenstand über die Zeit an Wert verliert.
  • Du bleibst näher an den Erwartungen der Steuerbehörden (statt „alles sofort“).

Typische abschreibbare Anlagen:

  • IT/Elektronik (Laptop, PC, Server, Drucker)
  • Fahrzeuge
  • Werkzeuge, Maschinen, Betriebseinrichtungen
  • Möbel, Ladenbau
  • Immaterielle Werte (z. B. gewisse Software/Patente, je nach Fall)

Welche Abschreibungsmethoden gibt es?

In der Praxis werden bei Selbständigerwerbenden vor allem zwei Methoden verwendet. Beide sind grundsätzlich gängig – entscheidend ist, dass du sie konsequent anwendest und die Abschreibung wirtschaftlich plausibel ist.

Degressive Abschreibung (Restwertbasis)

Bei der degressiven Abschreibung wendest du den Prozentsatz jedes Jahr auf den Restwert an (also den Buchwert nach bisherigen Abschreibungen). Das führt zu:

  • höheren Abschreibungen am Anfang
  • sinkenden Abschreibungsbeträgen über die Jahre

Diese Methode ist in der Schweiz sehr verbreitet, weil sie oft gut zur Realität passt (viele Geräte verlieren anfangs stark an Wert).

Formel:

  • Abschreibung Jahr N = Restwert Anfang Jahr N × Satz (z. B. 40%)

Lineare Abschreibung (Anschaffungswertbasis)

Bei der linearen Abschreibung schreibst du jedes Jahr den gleichen Betrag ab – basierend auf dem Anschaffungswert.

Das KMU-Portal hält fest: Die linearen Sätze entsprechen in der Regel der Hälfte der degressiven Sätze. (Richtwert-Logik)

Formel:

  • Abschreibung pro Jahr = Anschaffungswert × linearer Satz (z. B. 20%)

Wann linear sinnvoll ist:

  • Wenn du maximale Einfachheit willst (Planbarkeit)
  • Wenn der Wertverlust tatsächlich eher „gleichmässig“ verläuft
  • Wenn du eher stabile Gewinne hast und nicht „vorziehen“ möchtest

Offizielle Abschreibungssätze (Tabelle) – Schweiz (Richtwerte/Maxima)

Die folgende Tabelle orientiert sich an den Maximalsätzen für die degressive Abschreibung gemäss KMU-Portal. Linear gilt typischerweise: halber Satz.
Wichtig: Kantonale Praxis kann abweichen; im Zweifel im kantonalen Merkblatt nachsehen oder Treuhand fragen.

Anlagekategorie (Beispiele)Degressiv (max.)Linear (Richtwert)
Gebäude (Geschäftshäuser, Fabriken)4%2%
Werkstätten, Lagerhallen, Garagen8%4%
Maschinen, Apparate, Werkzeuge30%15%
Büromaschinen, Kommunikationsanlagen40%20%
IT / Informatik (Computer, Hardware, Software i. d. R.)40%20%
Fahrzeuge (Auto, Lieferwagen, etc.)40%20%
Möbel / Büroeinrichtungen25%12.5%
Ladeneinrichtungen / Innenausbau (je nach Art)20%10%

Quelle und Einordnung: KMU-Portal (kmu.admin.ch) nennt diese Sätze als jährliche Abschreibungssätze für Selbständigerwerbende und weist darauf hin, dass die Tabelle degressive Abschreibung abbildet; linear = halbe Sätze. Zudem: kantonal unterschiedliche Regelungen möglich.
https://www.kmu.admin.ch/kmu/en/home/concrete-know-how/finances/taxes/tax-exempt/depreciation-self-employed.html

Wichtig: Maximalsätze sind nicht „Pflicht“

Du darfst meist weniger abschreiben, wenn das wirtschaftlich sinnvoller ist. Umgekehrt kann „immer Maximum“ bei gewissen Gütern (z. B. Auto mit hohem Privatanteil) kritische Rückfragen auslösen, wenn die Nutzung/Abgrenzung nicht sauber dokumentiert ist.

So wendest du die Abschreibung korrekt an (ohne Buchhaltungsstudium)

1) Ab wann beginnt die Abschreibung?

Grundsätzlich ab dem Zeitpunkt, ab dem das Wirtschaftsgut betriebsbereit ist (oft: Kauf/Übernahme). In vielen Fällen wird im ersten Jahr pro rata temporis (zeitanteilig) abgeschrieben, wenn du unterjährig kaufst.

Praxis-Tipp: Wenn du eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung führst, halte mindestens fest:

  • Kaufdatum
  • Netto-/Bruttobetrag (je nach MWST-Status)
  • Kategorie (z. B. IT, Fahrzeug)
  • Abschreibungsmethode & Satz
  • Privatanteil (falls gemischt genutzt)

2) Abschreibung auf Netto oder Brutto?

Das hängt davon ab, ob du MWST-pflichtig bist und ob du die Vorsteuer geltend machst:

  • MWST-abrechnend (Vorsteuerabzug): Anlage wird typischerweise netto (ohne MWST) aktiviert → Abschreibung auf Netto.
  • Nicht MWST-pflichtig / keine Vorsteuer: Anlage häufig brutto (inkl. MWST) → Abschreibung auf Brutto.

Im Zweifel: gleiche Logik wie bei deinen übrigen Geschäftskosten und konsequent bleiben.

3) Direkt vs. indirekt abschreiben (Buchhaltung)

Wenn du eine doppelte Buchhaltung führst, gibt es zwei gängige Varianten:

  • Direkte Abschreibung: Du reduzierst das Anlagekonto direkt (Anlage sinkt jedes Jahr).
  • Indirekte Abschreibung: Anlage bleibt auf dem ursprünglichen Wert; du führst ein Gegenkonto „Wertberichtigung“.

Beide sind üblich. Wichtiger als die Methode ist: nachvollziehbare Anlagekartei/Anlagespiegel.

Belege und Buchhaltung für Abschreibungen

Beispiele: So rechnest du jährliche Abschreibungen (Laptop, Auto, Maschine)

Damit du die Tabelle wirklich nutzen kannst, hier drei typische Fälle.

Beispiel 1: Laptop/Computer (IT) – 40% degressiv vs. 20% linear

Situation: Du kaufst als Freelancer einen Laptop für CHF 2’000 (ohne MWST, weil vorsteuerabzugsberechtigt).
Kategorie: IT/Informatik.

A) Degressiv (40% auf Restwert)

  • Jahr 1: 2’000 × 40% = 800 → Restwert 1’200
  • Jahr 2: 1’200 × 40% = 480 → Restwert 720
  • Jahr 3: 720 × 40% = 288 → Restwert 432

Du siehst: am Anfang mehr Steuerabzug, danach weniger.

B) Linear (20% auf Anschaffungswert)

  • Pro Jahr: 2’000 × 20% = 400

Konstanter Aufwand, einfache Planung.

Praxis-Tipp: Bei IT mit schnellem Wertverlust passt degressiv oft gut – aber wenn du lieber stabile Ergebnisse in der Erfolgsrechnung willst, ist linear angenehm.


Beispiel 2: Fahrzeug/Auto – plus Privatanteil (wichtig!)

Situation: Du kaufst ein Geschäftsauto für CHF 30’000. Kategorie: Fahrzeuge.
Du nutzt das Auto geschätzt 70% geschäftlich / 30% privat.

Schritt 1: Abschreibung berechnen

Degressiv max. 40% (Richtwert):

  • Jahr 1 Abschreibung: 30’000 × 40% = 12’000

Schritt 2: Privatanteil korrekt berücksichtigen

Wenn 30% privat, ist nur 70% geschäftlich abzugsfähig:

  • Steuerlich relevanter Aufwand: 12’000 × 70% = 8’400
  • Privatanteil: 12’000 × 30% = 3’600 (nicht abzugsfähig)

Warum das wichtig ist: Fahrzeuge sind ein Klassiker für Rückfragen. Mit einem plausiblen Schlüssel (Fahrtenbuch, Kilometer-Schätzung, klare Regel) bist du deutlich audit-sicherer.


Beispiel 3: Maschine/Werkzeug – 30% degressiv

Situation: Du kaufst eine Maschine für CHF 10’000 (netto). Kategorie: Maschinen, Apparate, Werkzeuge.

Degressiv max. 30%:

  • Jahr 1: 10’000 × 30% = 3’000 → Restwert 7’000
  • Jahr 2: 7’000 × 30% = 2’100 → Restwert 4’900
  • Jahr 3: 4’900 × 30% = 1’470 → Restwert 3’430

Wenn du regelmässig investierst, hilft dir eine saubere Liste (Anlagespiegel), um nicht den Überblick zu verlieren.

Sonderfälle, die viele verpassen (und die Geld sparen können)

Energiesparende Investitionen: bis 50% in den ersten zwei Jahren

Das KMU-Portal weist darauf hin, dass für energiesparende Investitionen unter Umständen zusätzliche/accelerated Abschreibungen möglich sind: bis zu 50% in den ersten zwei Jahren.

Was darunter fallen kann, hängt von der konkreten Investition und der kantonalen Praxis ab (z. B. gewisse Energieeffizienz-Massnahmen, Anlagen, Umbauten).

So gehst du vor:

  1. Prüfe, ob deine Investition als „energiesparend“ gilt (Dokumentation/Produktnachweis).
  2. Prüfe kantonale Merkblätter oder frage kurz nach (Steueramt/Treuhand).
  3. Dokumentiere die Begründung (Rechnung, technische Unterlagen).

Quelle: KMU-Portal (kmu.admin.ch):
https://www.kmu.admin.ch/kmu/en/home/concrete-know-how/finances/taxes/tax-exempt/depreciation-self-employed.html


Nachholende Abschreibung (Catch-up): wenn du „zu wenig“ abgeschrieben hast

Wenn du in den Vorjahren weniger abgeschrieben hast, als zulässig und wirtschaftlich begründet wäre, kann je nach Situation eine nachholende Abschreibung möglich sein (sinngemäss: du holst Abschreibung nach, um wieder auf einen angemessenen Buchwert zu kommen).

Wichtig: Das ist kein Freipass, beliebig zu optimieren. Es braucht Plausibilität und sollte sauber dokumentiert sein.

Quelle: KMU-Portal (kmu.admin.ch), Abschnitt zu „catch-up“/Nachholabschreibung:
https://www.kmu.admin.ch/kmu/en/home/concrete-know-how/finances/taxes/tax-exempt/depreciation-self-employed.html


Kantonsunterschiede: so gehst du sicher vor

Die Schweiz ist föderal: Kantone können andere Sätze oder eine andere Praxis haben (oder einzelne Kategorien anders interpretieren).

Pragmatischer Ablauf:

  1. Nutze die KMU-Portal-Tabelle als Baseline.
  2. Suche nach „Abschreibungssätze“ + deinem Kanton (z. B. „Abschreibungssätze Kanton Zürich Selbständigerwerbende“).
  3. Wenn du viel investierst oder heikle Themen hast (Auto, gemischte Nutzung, Umbauten): kurzer Check mit Treuhand spart oft Geld und Nerven.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Abschreibungsmethode ist in der Schweiz „erlaubt“?

In der Praxis sind degressive und lineare Abschreibungen gängig. Die offiziellen Richttabellen beziehen sich häufig auf degressiv; linear wird als halber Satz hergeleitet. Entscheidend ist die kaufmännische Begründbarkeit und konsistente Anwendung.

Sind die Abschreibungssätze fix oder nur Maxima?

In der Regel sind es Maximalsätze/Richtwerte. Du darfst weniger abschreiben, wenn das dem tatsächlichen Wertverlust eher entspricht.

Kann ich 100% im ersten Jahr abziehen?

Nur in bestimmten Fällen (z. B. wenn es sich faktisch um Verbrauchsmaterial/geringwertige Güter handelt oder kantonal/steuerlich eine Sofortabschreibung zulässig ist). Bei klassischen Anlagen (Laptop, Auto, Maschine) ist eine Abschreibung über mehrere Jahre der Normalfall.

Ab welchem Betrag muss ich aktivieren statt direkt als Aufwand buchen?

Das ist nicht schweizweit identisch und hängt u. a. von deiner Buchhaltungspraxis, Wesentlichkeit und kantonalen Erwartungen ab. Viele Betriebe arbeiten mit internen Schwellen (z. B. CHF 1’000–2’500), aber entscheidend ist: konsequent und plausibel bleiben.

Darf ich die Methode später wechseln (degressiv ↔ linear)?

Ein Wechsel kann möglich sein, ist aber heikel, wenn er nur der Steueroptimierung dient. Wenn du wechseln willst: dokumentiere den Grund (z. B. realistischere Abbildung, neue Buchhaltungssystematik) und kläre es bei Unsicherheit ab.

Wie gehe ich mit gemischter Nutzung (privat/geschäftlich) um?

Du musst den geschäftlichen Anteil plausibel abgrenzen (z. B. Auto, Handy, Laptop). Typisch sind:

  • Fahrtenbuch/Schätzung nach Kilometern (Auto)
  • Nutzungsanteil nach Stunden/Profil (Laptop/Telefon)
    Wichtig ist ein nachvollziehbarer Schlüssel und konsequente Anwendung.

Abschreibung auf Brutto oder Netto (MWST)?

Wenn du MWST abrechnest und Vorsteuer ziehst, wird meist netto aktiviert und abgeschrieben. Ohne Vorsteuerabzug meist brutto. Im Zweifel: so, wie du den Kauf in deiner Buchhaltung erfasst.

Welche Belege sollte ich aufbewahren?

Mindestens:

  • Rechnung/Vertrag (inkl. Zahlungsnachweis)
  • Zuordnung: geschäftlich vs privat (Privatanteil)
  • Abschreibungsmethode, Satz, Startdatum
  • Anlageverzeichnis/Anlagespiegel (auch als Spreadsheet möglich)

Checkliste: Abschreibungen sauber vorbereiten (Steuer- & Audit-ready)

Nutze diese Kurzliste als Mini-Prozess:

  1. Rechnung & Zahlungsnachweis abgelegt (PDF + Bankbeleg)
  2. Anlage kategorisiert (IT, Fahrzeug, Maschine, Möbel, Gebäude etc.)
  3. MWST-Logik geklärt (Abschreibung auf Netto oder Brutto)
  4. Methode festgelegt (degressiv oder linear) und konsequent angewendet
  5. Privatanteil dokumentiert (Fahrtenbuch/Schlüssel/Notiz)
  6. Startdatum (betriebsbereit) + ggf. zeitanteilige Abschreibung
  7. Anlageverzeichnis geführt (Kaufpreis, Datum, Abschreibungen pro Jahr, Restwert)
  8. Kantonscheck gemacht, falls ungewöhnlicher Fall/hohe Beträge

Mini-Glossar (DE/FR) für die Suche & das Verständnis

  • Abschreibungssätze Schweiz Selbständigerwerbende = Maximal-/Richtprozente pro Anlage
  • Degressive Abschreibungssätze Schweiz (ESTV) = in der Praxis als Restwertmethode bekannt (häufige Suchformulierung)
  • Lineare Abschreibung Schweiz Tabelle = konstante Jahresbeträge (oft halber Satz)
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Nächster Schritt: Abschreibungen sauber erfassen – ohne Excel-Chaos

Hol dir eine klare Struktur (Anlageverzeichnis + Abschreibungsschema) oder lass deine Logik kurz prüfen, bevor du einreichst.