Verzugszinsen in der Schweiz fordern: 5 % ohne Schadensnachweis

Verzugszinsen Schweiz: 5 % nach OR 104, Beginn des Verzugs, transparente CHF-Berechnung, MWST-Abgrenzung und Verjährung.

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Nathan Ganser

Founder of Magic Heidi

Bei Verzug mit einer Geldschuld beträgt der gesetzliche Verzugszins grundsätzlich 5 % pro Jahr nach OR Art. 104. Dafür braucht es keinen Nachweis eines konkreten Schadens. Zuerst müssen aber Fälligkeit und Beginn des Verzugs feststehen.

Wann beginnt der Verzug?

OR Art. 102 unterscheidet:

  • Grundsatz: Der Schuldner wird bei fälliger Verbindlichkeit durch Mahnung in Verzug gesetzt. Entscheidend ist deren Zugang, nicht bloss ein Versandvermerk.
  • Verabredeter bestimmter Verfalltag: Mit Ablauf dieses Tages kann Verzug ohne weitere Mahnung eintreten. Auch ein aus der Vereinbarung eindeutig bestimmbarer Termin kann relevant sein.

Ein einseitiges Rechnungsdatum «zahlbar in 30 Tagen» ist nicht automatisch eine vertragliche Verfalltagsabrede. Legen Sie Zahlungsbedingungen bereits im Vertrag oder in der akzeptierten Offerte fest. Die gleiche Grundunterscheidung gilt für Privat- und Geschäftskunden; Sondervorschriften bleiben vorbehalten. Mehr zu Zahlungsfristen.

Eine freundliche Zahlungserinnerung kann bereits eine Mahnung sein, wenn sie die fällige Zahlung eindeutig verlangt. Eine Gebühr oder Betreibungsandrohung ist dafür nicht zwingend.

Verzugszinsen berechnen

Für die folgenden rein illustrativen Rechnungen verwenden wir tatsächliche Verzugstage und ein Jahr mit 365 Tagen. Diese Tageskonvention ist eine offengelegte Rechenannahme, kein in OR Art. 104 ausdrücklich festgelegter Divisor. Prüfen Sie abweichende Vereinbarungen und die im konkreten Verfahren massgebende Berechnung.

Zins = offenes Kapital × Jahreszinssatz × Verzugstage / 365

Bemessungsgrundlage ist das tatsächlich geschuldete offene Kapital, bei einer unbezahlten normalen Rechnung grundsätzlich der Betrag inklusive MWST. Auf den Verzugszins selbst kommt keine MWST. Ziehen Sie Teilzahlungen ab und teilen Sie den Zinslauf entsprechend in Perioden auf.

Offener BetragVerzugstageVerzugszinsen (5 %)
CHF 850.0030CHF 3.49
CHF 4'800.0045CHF 29.59
CHF 6'200.0060CHF 50.96
CHF 12'500.0090CHF 154.11
CHF 25'000.00180CHF 616.44

Runden Sie das berechnete Ergebnis auf Rappen und dokumentieren Sie Beginn und Ende des berücksichtigten Zeitraums.

Frei erfundenes Rechenbeispiel: Bei CHF 4'800.00, 5 % und 45 Verzugstagen entstehen CHF 29.59 Zins. Ob der Kunde bezahlt oder den Anspruch bestreitet, lässt sich daraus nicht vorhersagen.

Verzugszins ohne MWST, Mahnspesen getrennt

Verzugszinsen nach OR Art. 104 gelten als Schadenersatz, nicht als Entgelt für Ihre Leistung (Art. 18 Abs. 2 Bst. i MWSTG). Sie weisen darauf keine MWST aus.

Mahnspesen zur erbrachten Leistung gehören nach der ESTV-Praxis dagegen zum Entgelt und folgen deren steuerlicher Behandlung. Das bedeutet nicht immer 8.1 %: Hauptleistung, Steuerpflicht und anwendbarer Satz sind zu prüfen. Einen Gebührenanspruch schafft diese steuerliche Einordnung nicht; dazu siehe Mahngebühren.

Muster für eine begründete Zinsforderung

Dieses Muster setzt voraus, dass Beginn und Dauer des Verzugs tatsächlich feststehen. Ersetzen Sie die Platzhalter und geben Sie die Grundlage an, beispielsweise vereinbarter Verfalltag oder Zugang einer früheren Mahnung.

Mahnung – Rechnung [Nummer]

Guten Tag [Name]
Die fällige Rechnung [Nummer, Datum] ist weiterhin offen.
Verzugsbeginn: [Datum und Grundlage]
Berechnungszeitraum bis [Stichtag]: 45 Verzugstage
Rechenbasis: tatsächliche Tage / 365

Offenes Kapital:             CHF 4'800.00
Verzugszins 5 % pro Jahr:     CHF    29.59
Total per Stichtag:          CHF 4'829.59
Keine MWST auf dem Verzugszins.

Bitte zahlen Sie bis [Datum]. Nach diesem Stichtag wird
weiterer begründeter Zins bis zur Zahlung separat berechnet.
Bei Fragen oder abweichenden Zahlungsbelegen melden Sie sich bitte.

Freundliche Grüsse
[Name / Firma]

Das Muster enthält bewusst keine inkonsistente Kombination aus Kalenderdaten und «45 Tagen». Zählen Sie Ihre tatsächlichen Tage nach der massgebenden Konvention und dem belegten Verzugsbeginn.

Mehr als 5 %: Zins und zusätzlicher Schaden

OR Art. 104 Abs. 2 behandelt vertraglich höhere Zinsen; Abs. 3 enthält eine besondere Regel zum höheren üblichen Bankdiskonto unter Kaufleuten. Übertragen Sie diese Ausnahmen nicht pauschal auf jede Rechnung.

Nach OR Art. 106 kann ein Schaden über den Verzugszins hinaus ersatzfähig sein. Dafür müssen Sie den zusätzlichen Schaden und die weiteren Voraussetzungen darlegen; der Schuldner kann fehlendes Verschulden beweisen. Eine vorgängige Gebührenvereinbarung ist nicht die einzige mögliche Anspruchsgrundlage. Andererseits ist eine pauschale Inkassorechnung noch kein Beweis eines ersatzfähigen Schadens. Vermeiden Sie doppelte Deckung desselben Nachteils.

Nach OR Art. 105 Abs. 3 dürfen auf Verzugszinsen keine Verzugszinsen berechnet werden. Die Sonderregel zu fälligen Kapitalzinsen in Abs. 1 ist keine allgemeine Erlaubnis zum Zinseszins auf Ihre Verzugsforderung.

Betreibung, Verlustschein und Verjährung

Im Betreibungsbegehren sind Kapital, verlangter Zinssatz und Zinsbeginn nachvollziehbar anzugeben. Ein Rechtsvorschlag stoppt die Betreibung, nicht automatisch jeden Zinsanspruch. Ob und wie weiter vorzugehen ist, erklärt der Leitfaden Betreibung einleiten.

Für eine durch Pfändungsverlustschein verurkundete Forderung schuldet der Schuldner dagegen keine Zinsen mehr (SchKG Art. 149 Abs. 4). Beim Konkursverlustschein gelten weitere Besonderheiten. Behandeln Sie nicht jeden Verfahrensabschluss gleich.

Eine Mahnung unterbricht die Verjährung nicht. OR Art. 135 nennt unter anderem Anerkennung durch den Schuldner und rechtliche Schritte. Für Kapitalzinsen gilt grundsätzlich die fünfjährige Frist nach Art. 128 Ziff. 1; die Hauptforderung kann je nach Forderungsart einer anderen Frist unterstehen. Fristbeginn, Unterbrechungen und Abhängigkeit von der Hauptforderung sind im konkreten Fall zu prüfen; siehe Verjährung von Rechnungen.

Wenn Sie selbst der ESTV Geld schulden

Der private OR-Verzugszins ist nicht der automatisch anzuwendende Zinssatz für Bundessteuern. Für die MWST gelten insbesondere Art. 86–87 MWSTG sowie die jährlich überprüften Zinssätze. Aus einer bloss verspäteten Abrechnung lässt sich der genaue Zinszeitraum nicht ablesen: Entscheidend sind Fälligkeit und Zahlung sowie die konkrete Abrechnung.

Verwenden Sie die aktuellen Angaben der ESTV zur MWST-Zahlung, statt einen privaten Standardsatz zu übertragen. Bei einem Engpass können Sie einen Zahlungsplan vorschlagen; ein Gesuch allein garantiert weder Bewilligung noch Zinsbefreiung.

Praktischer Abschluss

Halten Sie zu jeder offenen Rechnung Fälligkeit, Mahnungszugang oder vereinbarten Verfalltag, Teilzahlungen und Zinsperioden fest. Überprüfen Sie jede Berechnung vor dem Versand. Dieser Leitfaden setzt keine automatische native Zinsberechnung oder Mahnauslösung durch Magic Heidi voraus.

Quellen

Allgemeine Information, keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.