Deckungsbeitrag berechnen: Formel und CHF-Beispiele

Deckungsbeitrag berechnen: Umsatz minus variable Kosten. Formel, CHF-Beispiele und Break-even für Selbständige – mit Beispielen selbst nachrechnen.

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Nathan Ganser

Gründer von Magic Heidi


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Der Deckungsbeitrag ist die ehrlichste Zahl in deinen Geschäftsbüchern: Umsatz minus variable Kosten. Genau dieser Betrag bleibt von jedem Auftrag übrig, um deine Fixkosten zu decken – und alles, was danach noch da ist, ist Gewinn. Wer den Deckungsbeitrag berechnen kann, beantwortet mit einer einzigen Formel die drei wichtigsten Fragen als Selbständige:r: Lohnt sich dieser Auftrag? Reicht mein Umsatz, um aus den roten Zahlen zu kommen? Und wie tief darf der Preis sinken, bevor ein Auftrag Geld verbrennt?

Die Formel ist simpel: Deckungsbeitrag = Umsatz − variable Kosten. Du kannst sie pro Auftrag, pro Kunde oder pro Monat rechnen – die Aussage bleibt dieselbe: Der Deckungsbeitrag zeigt, wie viel ein Auftrag zur Deckung deiner Fixkosten beiträgt, noch bevor von Gewinn die Rede ist.

In diesem Artikel gehe ich die Deckungsbeitragsrechnung aus der Sicht von Selbständigen in der Schweiz durch: welche Kosten variabel sind und welche fix, wie du Stückdeckungsbeitrag, Gesamtdeckungsbeitrag und Deckungsbeitragsquote berechnest, wie sich daraus der Break-even ableiten lässt – und wie dir der Deckungsbeitrag bei der wichtigsten Alltagsentscheidung hilft: welchen Auftrag du annimmst und welchen du ablehnst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deckungsbeitrag = Umsatz − variable Kosten. CHF 12'000.00 Umsatz minus CHF 1'800.00 variable Kosten ergibt CHF 10'200.00 Deckungsbeitrag – der Betrag, der deine Fixkosten decken muss.
  • Die Deckungsbeitragsquote verrät die Marge. CHF 10'200.00 ÷ CHF 12'000.00 × 100 = 85 % – von jedem verdienten Franken bleiben 85 Rappen für Fixkosten und Gewinn.
  • Break-even = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote. Bei CHF 1'600.00 Fixkosten im Monat und 85 % Quote brauchst du rund CHF 1'900.00 Umsatz, um auf null zu stehen.
  • MWST nur bei entsprechender Vorsteuerberechtigung aus den Kosten herausrechnen. Nicht abziehbare Vorsteuer kann dagegen Kosten sein; die Abrechnungsmethode und Registrierung sind zu beachten.
  • Zähle den entgangenen Deckungsbeitrag mit. Ein Auftrag mit CHF 900.00 Deckungsbeitrag bringt netto nur CHF 185.00 mehr, wenn er auf anderen Aufträgen CHF 715.00 verdrängt.

Was der Deckungsbeitrag ist – und warum er mehr sagt als der Umsatz

Umsatz ist die Zahl, mit der Selbständige am liebsten angeben. Sie sagt aber erstaunlich wenig. Ein Umsatz von CHF 100'000.00 im Jahr kann zu einem sauberen Gewinn führen – oder zu einem Verlust, wenn die Kosten mitwachsen. Der Deckungsbeitrag schliesst diese Lücke, weil er die Kosten einbezieht, die direkt mit dem Auftrag zusammenhängen.

Der Name sagt es schon: Der Deckungsbeitrag ist der Betrag, den ein Auftrag zur Deckung der Fixkosten leistet. Deine Miete, deine Software, deine Versicherungen und deine AHV-Beiträge laufen weiter, egal ob du diesen Monat drei Aufträge verrechnest oder keinen einzigen. Jeder Auftrag muss also nicht nur sich selbst finanzieren, sondern auch etwas zu diesem Fixkostenblock beitragen. Wie viel er beiträgt – das ist der Deckungsbeitrag.

Die Rechnungskette sieht komplett so aus:

Umsatz − variable Kosten = Deckungsbeitrag. Deckungsbeitrag − Fixkosten = Gewinn.

Für Selbständige ist das wertvoller als jede Gewinn-und-Verlust-Rechnung, die der Treuhänder im Januar nachreicht. Der Gewinn sagt dir rückblickend, wie das letzte Jahr war. Der Deckungsbeitrag sagt dir heute, ob sich der Auftrag lohnt, den du gerade in der Offerte hast. Gerade wenn du als Einzelfirma oder im Nebenverdienst startest, bist du Geschäftsleitung und Controlling in einer Person – und der Deckungsbeitrag ist die eine Zahl, mit der du beide Jobs erledigst.

Ein praktischer Nebeneffekt: Der Deckungsbeitrag schützt dich vor dem häufigsten Denkvorsprung bei hohem Umsatz. Wer CHF 15'000.00 im Monat fakturiert und sich reich fühlt, aber vergisst, dass CHF 11'000.00 davon direkt in Material, Fremdleistungen und Subunternehmer fliessen, wundert sich im Dezember über ein leeres Konto. Der Deckungsbeitrag berechnen heisst: erst schauen, was übrig bleibt – dann feiern.


Variable und fixe Kosten: die Basis jeder Deckungsbeitragsrechnung

Die Deckungsbeitragsrechnung steht und fällt mit einer sauberen Trennung: Was an Kosten mit dem Auftrag mitwächst, und was unabhängig davon jeden Monat läuft?

Variable Kosten steigen und fallen mit deiner Leistung. Rechnest du mehr, steigen sie mit – rechnest du nichts, fallen sie auf null. Für Selbständige in der Schweiz sind typischerweise:

  • Material und Wareneinkauf. Farbe beim Maler, Holz beim Schreiner, Druckkosten bei der Grafikerin.
  • Fremdleistungen. Retuschen, Übersetzungen, Zulieferarbeiten – alles, was du pro Projekt einkaufst.
  • Subunternehmer. Die Hilfskraft fürs Abkleben, der Second Shooter bei einer Hochzeit.
  • Fahr- und Kundenspesen. Kilometer, Parking, Züge zum Kunden. Wie du diese sauber verrechnest, steht im Guide zur Spesenabrechnung in der Schweiz.
  • Transaktionsgebühren. TWINT, SumUp oder Kartenabwicklung – die Grundmiete des Terminals ist fix, die Gebühr pro Zahlung ist variabel.
  • Projektlizenzen. Software oder Vorlagen, die du pro Kunde kaufst statt per Abo.

Fixe Kosten laufen dagegen monatlich oder jährlich an, egal wie viel du verrechnest:

  • Miete und Co-Working-Platz
  • Software-Abos – Buchhaltung, Design-Tools, Cloud-Speicher
  • Berufshaftpflicht und Krankentaggeldversicherung
  • Telefon- und Internet-Grundgebühr
  • Abschreibung auf Arbeitsgeräten – Laptop, Kamera, Werkzeug verlieren auch dann an Wert, wenn sie rumstehen
  • AHV-/IV-/EO-Rücklage – im Beispiel als fixer Budgetbetrag angesetzt; tatsächliche Beiträge sind einkommensabhängig (dazu gleich mehr)

MWST: Vorsteuerberechtigung und Methode beachten

Bei effektiver MWST-Abrechnung rechnen Sie Umsätze ohne geschuldete MWST und Kosten ohne abziehbare Vorsteuer. Nicht abziehbare Vorsteuer bleibt dagegen Kostenbestandteil. Wer nicht MWST-registriert ist, trägt die MWST auf Einkäufen grundsätzlich mit. Bei der Saldosteuersatzmethode ist die Rechnung gesondert aufzubauen; eine pauschale Netto-Netto-Annahme passt nicht immer. Grundlage und Steuerpflicht: ESTV, vertieft unter MWST für Freelancer.

Alle nachfolgenden Zahlen sind ausdrücklich vereinfachte Rechenannahmen. Die genannten Personen sind keine dokumentierten Kunden und ihre Ergebnisse keine nachgewiesenen Erfahrungen.

Stefanie: Material drückt die Marge

Ein Beispiel, wie unterschiedlich die beiden Kostenblöcke ausfallen können. Stefanie ist Malerin in Bern. Ein Wandanstrich bringt ihr CHF 4'000.00 netto. Ihre variable Seite: Farbe und Grundierung für CHF 800.00, Fahrspesen für CHF 120.00, eine Hilfskraft fürs Abkleben mit CHF 330.00 – zusammen CHF 1'250.00. Ihr Deckungsbeitrag: CHF 2'750.00, die Quote liegt bei knapp 69 %. Stefanie hätte den Auftrag auch für CHF 3'500.00 annehmen können – der Deckungsbeitrag wäre mit CHF 2'250.00 immer noch positiv und hätte ihre Fixkosten ordentlich mitgetragen. Hätte der Kunde aber auf CHF 1'200.00 gedrückt, hätte der Auftrag ihr Geld gekostet statt eingebracht: Der Preis läge unter den gesamten variablen Kosten.


Deckungsbeitrag berechnen: Formel, Stückdeckungsbeitrag und Deckungsbeitragsquote

Jetzt die Rechnung im Detail – mit einem durchgehenden Beispiel. Marc ist IT-Berater in Zürich und verrechnet CHF 1'200.00 pro Tag. An variable Kosten pro Tag laufen an: Fahr- und Kundenspesen CHF 60.00, anteilige Projektsoftware und Lizenzen CHF 90.00, gelegentliche Fremdleistungen CHF 30.00 – zusammen CHF 180.00.

1. Stückdeckungsbeitrag: Was bringt ein Tag, ein Projekt, ein Stück?

Stückdeckungsbeitrag = Preis pro Einheit − variable Kosten pro Einheit

Bei Marc: CHF 1'200.00 − CHF 180.00 = CHF 1'020.00 pro Tag. Jeder verrechnete Tag lässt CHF 1'020.00 übrig, die Richtung Fixkosten haben. Diese Zahl trägt er im Kopf, wenn ein Kunde über den Tagessatz verhandelt: Erst unter CHF 180.00 würde ein Tag aktiv Geld verbrennen.

2. Gesamtdeckungsbeitrag: Was bleibt im Monat übrig?

Gesamtdeckungsbeitrag = Stückdeckungsbeitrag × Menge

Marc verrechnet 10 Tage im Monat: CHF 1'020.00 × 10 = CHF 10'200.00. Alternativ gerechnet: CHF 12'000.00 Umsatz minus CHF 1'800.00 variable Kosten – derselbe Betrag. Der Gesamtdeckungsbeitrag ist die Grösse, die du monatlich gegen deine Fixkosten halten solltest.

3. Deckungsbeitragsquote: Wie viel Marge steckt im Umsatz?

Deckungsbeitragsquote = Deckungsbeitrag ÷ Umsatz × 100

Bei Marc: CHF 10'200.00 ÷ CHF 12'000.00 × 100 = 85 %. Von jedem Franken, der aufs Konto fliesst, bleiben 85 Rappen für Fixkosten und Gewinn. Die Quote macht unterschiedliche Aufträge, Kunden und Monate vergleichbar: Ein Beratungstag mit 85 % und ein Monteinsatz mit 20 % sprechen sofort dieselbe Sprache – egal wie gross die Beträge sind.

Ein Anwendungsfall, der sofort Geld wert ist: Kunden vergleichen. Rechne die Deckungsbeitragsquote pro Kunde aus, nicht nur pro Auftrag. Vielleicht entpuppt sich der laute Kunde, der ständig Rabatt verlangt, als 55-%-Kunde – während der stille Kunde mit den Standardpreisen auf 90 % liegt. Ein Umsatzranking zeigt dir den grössten Kunden; ein Deckungsbeitragsranking zeigt dir den besten. Vergleiche deshalb die Aufträge anhand ihrer tatsächlichen Kosten und ihres Zeitbedarfs; ein höherer Prozentsatz allein beweist nicht den höchsten absoluten Beitrag.

Bei reinen Dienstleistungen ohne Material können die variablen Kosten niedrig sein. Daraus lässt sich ohne Datengrundlage keine allgemeine Branchenquote ableiten. Im Handwerk und bei physischen Produkten liegt sie deutlich tiefer, weil Material und Zulieferarbeit den Umsatz auffressen. Tief heisst nicht schlecht – sie muss nur zur Fixkostensituation passen. Genau das ist der nächste Schritt.


Break-even berechnen: wie viel Umsatz du in der Schweiz wirklich brauchst

Der Break-even-Punkt ist der Umsatz, bei dem der Deckungsbeitrag exakt die Fixkosten deckt. Darunter machst du Verlust, darüber Gewinn. Um ihn zu berechnen, brauchst du erst eine ehrliche Liste deiner Fixkosten – und die sieht bei Schweizer Selbständigen anders aus als im BWL-Lehrbuch.

Marcs Monatsliste:

  • Co-Working-Platz: CHF 350.00
  • Software und Tools: CHF 120.00
  • Berufshaftpflichtversicherung: CHF 60.00
  • Krankentaggeldversicherung: CHF 150.00
  • Telefon und Internet: CHF 90.00
  • Abschreibung Laptop und Arbeitsgeräte: CHF 130.00
  • Treuhänder: CHF 100.00
  • AHV/IV/EO: rund CHF 600.00 (10 % auf einen erwarteten Jahresgewinn von CHF 72'000.00)

Macht zusammen rund CHF 1'600.00 Fixkosten pro Monat. Die CHF 600 AHV-Rücklage ist hier eine feste Planungsannahme, keine grundsätzlich fixe Kostenart. Die tatsächlichen Beiträge hängen vom massgebenden Einkommen und der offiziellen AHV-Skala ab; besondere Regeln gelten etwa im Nebenerwerb. Für eine Sensitivitätsrechnung muss diese Rücklage bei veränderlichem Gewinn gegebenenfalls angepasst werden. Ein kalkulatorischer Unternehmerlohn und persönliche Steuern sind in diesem betrieblichen Break-even noch nicht enthalten.

Nun die zwei Break-even-Formeln:

Break-even-Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote

Bei Marc: CHF 1'600.00 ÷ 0.85 = rund CHF 1'900.00 Umsatz im Monat. Das sind kaum anderthalb Tagessätze. Der darüber hinausgehende Deckungsbeitrag erhöht das modellierte Ergebnis. Er muss bei einer Einzelfirma aber insbesondere noch die eigene Arbeitsleistung und persönliche Rücklagen finanzieren. Diese Zahl ist Gold wert, wenn du dich fragst, ob sich der Schritt in die Selbständigkeit rechnet oder wie viel ein Monatsausfall wirklich kostet.

Break-even-Menge = Fixkosten ÷ Stückdeckungsbeitrag

Bei Marc: CHF 1'600.00 ÷ CHF 1'020.00 = rund 1.6 Tage pro Monat. Erst ab dem zweiten Tag im Monat arbeitet er für seinen eigenen Gewinn. Für einen Schreiner mit CHF 200.00 Stückdeckungsbeitrag pro Möbelstück hiesse dasselbe: gut acht Stück pro Monat, nur um die Werkstatt, die Versicherungen und die AHV zu finanzieren.

Noch ein Hinweis zur Falle im Detail: Der Break-even gilt vor Einkommenssteuern. Wie viel du vom darüber liegenden Gewinn zusätzlich für Steuern und AHV zurücklegen musst, damit dich die Rechnung im Folgejahr nicht kalt erwischt, haben wir in der Faustregel für Steuern in der Schweiz aufgeschlüsselt. Zähle die im Modell bereits eingestellte AHV-Rücklage nicht ein zweites Mal vollständig dazu.


Preisuntergrenze: ab wann sich ein Auftrag nicht mehr lohnt

Kunden drücken auf den Preis, das ist normal. Der Deckungsbeitrag sagt dir, wo die Grenze liegt – und sie ist zweigeteilt:

  • Kurzfristige Preisuntergrenze: die variablen Kosten. Ein Auftrag über den variablen Kosten trägt etwas zu den Fixkosten bei – auch wenn er diese nie alleine deckt. Ein halb ausgelasteter Samstag mit CHF 700.00 Deckungsbeitrag ist besser als ein leerer Samstag mit null.
  • Langfristige Preisuntergrenze: variable Kosten + anteilige Fixkosten + Gewinnaufsatz. Mit diesem Preis überlebst du das Jahr. Rabattaufträge unter dieser Schwelle sind okay als Ausnahme – nicht als Normalzustand.

Lena macht das in der Praxis vor. Sie ist Fotografin in Luzern und hat an einem Septemberwochenende nur noch einen Termin frei. Zur Auswahl stehen zwei Aufträge:

  • Hochzeits-Shooting: CHF 2'800.00 netto. Variable Kosten: Second Shooter CHF 400.00, Fahrten CHF 100.00, Album als Fremdleistung CHF 300.00 – zusammen CHF 800.00. Deckungsbeitrag: CHF 2'000.00 (Quote 71 %).
  • Firmen-Shooting: CHF 1'200.00 netto. Variable Kosten: Fahrten CHF 80.00, Bildretusche als Fremdleistung CHF 420.00 – zusammen CHF 500.00. Deckungsbeitrag: CHF 700.00 (Quote 58 %).

Beide Aufträge haben einen positiven Deckungsbeitrag; ob sie insgesamt rentabel sind, hängt zusätzlich von Fixkosten und Zeitbedarf ab. Aber Lena hat nur ein Wochenende. Wenn beide denselben Engpass im gleichen Umfang belegen, liefert die Hochzeit mit CHF 2'000 mehr Deckungsbeitrag als das Firmen-Shooting mit CHF 700. Bei unterschiedlichem Zeitbedarf vergleichen Sie den Beitrag je Engpassstunde. Lena nimmt die Hochzeit und verschiebt das Firmen-Shooting auf einen Wochentag im Oktober – wo es die Fixkosten ein zweites Mal mitträgt, statt die Hochzeit zu verdrängen.

Und wenn der Preisdruck kommt, ist der Deckungsbeitrag dein bestes Verhandlungsargument: «Unter CHF 1'500.00 kann ich das Shooting nicht mehr seriös durchführen – allein die variablen Kosten liegen bei CHF 800.00.» Kunden akzeptieren eine fundierte Grenze weit eher als ein vages «Das ist zu wenig». Und du selbst weisst beim Nachdenken am Sonntagabend, ob ein reduzierter Auftrag noch Sinn ergibt – weil du die eine Zahl kennst, die darüber entscheidet.

Ein letzter Praxispunkt zum Thema Preis: Ein Deckungsbeitrag auf dem Papier nährt dich nicht, solange das Geld nicht da ist. Wenn Grosskunden auf 60 oder 90 Tage Zahlungsziel bestehen, laufen deine Fixkosten weiter. Eine mögliche Vorfinanzierung ist Factoring in der Schweiz; prüfe Eignung, Gebühren und Vertragsrisiken gesondert.


Entgangener Deckungsbeitrag: die versteckten Opportunity-Kosten

Es gibt eine Zahl, die in keiner Rechnung auftaucht und trotzdem über Gewinn oder Verlust entscheidet: der entgangene Deckungsbeitrag. Sie beschreibt, was du auf anderen Aufträgen verlierst, weil deine Zeit, dein Auto oder deine Werkstatt durch einen neuen Auftrag blockiert sind.

Die Formel:

Netto-Effekt = Deckungsbeitrag des neuen Auftrags − entgangener Deckungsbeitrag der verdrängten Aufträge

Ein reines Rechenbeispiel ohne Erfahrungsbehauptung: Ein Zusatzauftrag liefert CHF 900 Deckungsbeitrag, verdrängt aber andere Aufträge mit CHF 715 Deckungsbeitrag. Der isolierte Mehrbeitrag beträgt CHF 185. Weitere Folgen wie Vertragsrisiken, zusätzliche Rüstkosten oder spätere freie Kapazität sind darin noch nicht berücksichtigt.

Die Lehre für den Alltag: Nie nur den Deckungsbeitrag des Auftrags zählen, der vor dir liegt – immer auch den, der woanders entgeht. Das gilt für jeden Engpass, nicht nur für deine eigene Zeit:

  • Zeit als Engpass: Ein Tag für den Kunden mit CHF 900.00 DB ist nur dann gut, wenn er keinen Tag mit CHF 1'200.00 DB verdrängt.
  • Kapazität als Engpass: Eine Werkstatt oder ein Studio, das ausgebucht ist, muss Aufträge mit tiefem Deckungsbeitrag aktiv ablehnen – sonst blockieren sie Platz für bessere.
  • Liquidität als Engpass: Ein Grossauftrag, der dein Kapital für drei Monate bindet, kann teurer sein als drei kleine Aufträge mit demselben Deckungsbeitrag, die sofort bezahlt werden.

Vergleiche den absoluten Deckungsbeitrag und bei knapper Kapazität den Beitrag je tatsächlich begrenzter Stunde oder Kapazitätseinheit. 60% von CHF 100 ergeben CHF 60, 25% von CHF 1'000 dagegen CHF 250: Bei gleicher Engpassbelegung bringt die tiefere Quote hier den höheren Beitrag. Berücksichtige Zahlungszeitpunkt, Ausfallrisiko und bestehende Verpflichtungen, bevor du einen Auftrag bevorzugst.


Fazit: mit dem Deckungsbeitrag steuern statt raten

Der Deckungsbeitrag ist die wichtigste Steuerungsgrösse für Selbständige in der Schweiz – wichtiger als der Umsatz, schneller als der Gewinn. Die Kette lässt sich in drei Sätzen festhalten: Deckungsbeitrag = Umsatz − variable Kosten. Die Deckungsbeitragsquote (DB ÷ Umsatz × 100) macht Aufträge vergleichbar. Der Break-even (Fixkosten ÷ DB-Quote) sagt dir, wie viel du monatlich verrechnen musst, um nicht zu verlieren – bei CHF 1'600.00 Fixkosten und 85 % Quote sind das rund CHF 1'900.00. Und der entgangene Deckungsbeitrag verhindert, dass du für CHF 185.00 netto den Stress eines CHF 900.00-Auftrags kaufst.

Die Berechnung braucht verlässliche Umsatz- und Kostendaten sowie eine eigene Zuordnung variabler und fixer Kosten. Für Rechnungen und Ausgaben können Sie Magic Heidi prüfen. Damit ist keine automatische Deckungsbeitrags-, Break-even- oder Projektrentabilitätsauswertung zugesagt. Rechnen Sie diese Grössen bei Bedarf separat und kontrollieren Sie die Annahmen.


Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Wirtschafts-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die genannten Frankenbeträge sind gerundete Beispielwerte (Stand 2026); massgeblich für deine Situation sind deine tatsächlichen Kosten sowie die Regelwerke von Ausgleichskasse, ESTV und Steuerbehörde.

FAQ

FAQ: Deckungsbeitrag berechnen in der Schweiz

Ist der Deckungsbeitrag dasselbe wie der Gewinn?

Nein. Der Deckungsbeitrag ist Umsatz minus variable Kosten – er zeigt, was ein Auftrag zur Deckung der Fixkosten beiträgt. Der Gewinn entsteht erst einen Schritt später: Deckungsbeitrag minus Fixkosten. Ein Auftrag mit CHF 2'000.00 Deckungsbeitrag ist noch kein Gewinn, wenn AHV, Software, Versicherungen und Miete zusammen CHF 2'500.00 im Monat kosten.

Wie berechne ich die Deckungsbeitragsquote?

Deckungsbeitrag ÷ Umsatz × 100. Beispiel: Bei CHF 10'200.00 Deckungsbeitrag auf CHF 12'000.00 Umsatz liegt die Quote bei 85 %. Sie zeigt, wie viele Rappen von jedem verdienten Franken nach den variablen Kosten übrig bleiben – und macht Aufträge, Kunden und Monate vergleichbar, egal wie gross die Beträge sind.

Wie berechne ich den Break-even-Punkt?

Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote ergibt den Break-even-Umsatz. Bei CHF 1'600.00 Fixkosten im Monat und 85 % Quote brauchst du rund CHF 1'900.00 Umsatz, um auf null zu stehen. Alternativ: Fixkosten ÷ Stückdeckungsbeitrag ergibt die Break-even-Menge – etwa wie viele Tage, Stücke oder Projekte du pro Monat verrechnen musst.

Wie berechne ich den Deckungsbeitrag bei Dienstleistungen ohne Materialkosten?

Genauso wie im Handwerk – nur ist die Kostenliste kürzer. Variable Kosten bei Dienstleistungen sind vor allem Fremdleistungen, Fahr- und Kundenspesen, Subunternehmer und anteilige Software- oder Lizenzkosten pro Projekt. Weil wenig Material anfällt, ist der Deckungsbeitrag meist hoch: Eine allgemeine Branchenquote wird hier nicht behauptet; verwenden Sie Ihre tatsächlichen Kosten.

Zählt die MWST zu den variablen Kosten?

Abziehbare Vorsteuer ist bei effektiver Abrechnung kein Kostenbestandteil. Nicht abziehbare Vorsteuer kann dagegen Kosten sein. Ohne MWST-Registrierung und bei anderen Methoden dürfen Sie nicht pauschal alle Einkaufskosten netto rechnen.

Lohnt sich ein Auftrag mit kleinem Deckungsbeitrag?

Kurzfristig ja, wenn deine Kapazität sonst leer steht und der Deckungsbeitrag positiv ist – jeder Franken über den variablen Kosten deckt Fixkosten. Aber prüfe die Opportunitätskosten: Ein Zusatzauftrag mit CHF 900.00 Deckungsbeitrag bringt netto nur CHF 185.00, wenn er auf anderen Aufträgen CHF 715.00 Deckungsbeitrag verdrängt. Ist die Kapazität knapp, vergleichen Sie den Deckungsbeitrag je Einheit des tatsächlichen Engpasses und beachten Sie bestehende Verpflichtungen.