Was der rote und der orange Einzahlungsschein waren
Beide Scheine stammen aus einer Zeit, in der Zahlungen physisch am Schalter oder per Post abgewickelt wurden. Sie unterschieden sich nicht im Format, sondern in der Frage, ob der Empfänger die eingehende Zahlung automatisch zuordnen konnte.
Der rote Einzahlungsschein (ES) war die einfache Variante. Er enthielt Kontonummer und Adresse des Empfängers, ein Feld für den Betrag und ein freies Mitteilungsfeld. Eine Referenznummer gab es nicht. Wer eine Zahlung erhielt, sah auf dem Kontoauszug den Namen des Einzahlers und, wenn er Glück hatte, den handschriftlichen Vermerk im Mitteilungsfeld. Die Zuordnung zur richtigen Rechnung war Handarbeit. Der rote Schein wurde deshalb typischerweise für Spenden, Vereinsbeiträge, Miete und einzelne Rechnungen benutzt — überall dort, wo der Betrag auch offen bleiben konnte und der Zahler ihn selbst eintrug.
Der orange Einzahlungsschein (ESR) war die maschinelle Variante, bei Banken auch BESR (Bank-Einzahlungsschein mit Referenznummer) genannt, bei PostFinance VESR. Er trug eine Referenznummer, meist 27-stellig, dazu am unteren Rand die Codierzeile in der Schrift OCR-B, die Belegleser und Schaltergeräte direkt einlesen konnten. Weil jede Rechnung ihre eigene Referenznummer hatte, konnte die Buchhaltung eingehende Zahlungen vollautomatisch der offenen Rechnung zuordnen. Genau deshalb war der orange Schein der Standard für Krankenkassen, Versicherungen, Telekoms und alle anderen mit vielen Rechnungen.
Warum sie abgeschafft wurden
Die Ablösung war kein Sparprogramm, sondern das Ende einer Insellösung. Die Schweizer Finanzbranche hat den gesamten Zahlungsverkehr auf den internationalen Standard ISO 20022 umgestellt. In dieser Welt gibt es keine proprietäre Codierzeile mehr und keine Kontonummern im alten Postcheck-Format, sondern IBAN und strukturierte Datensätze.
Der Fahrplan war lang und angekündigt: Die QR-Rechnung startete am 30. Juni 2020, danach lief eine gut zweijährige Parallelphase, in der beide Welten nebeneinander funktionierten. Am 30. September 2022 endete sie. Seither gilt:
- Neue orange oder rote Einzahlungsscheine kannst du weder bei einer Bank noch bei der Post bestellen.
- Alte Bestände werden nicht mehr verarbeitet; Banken weisen solche Zahlungen zurück.
- Wer noch Blöcke im Schrank hat, kann sie entsorgen.
Was den Einzahlungsschein ersetzt hat
Der Nachfolger ist der QR-Zahlteil der QR-Rechnung. Er ist bewusst so gebaut, dass er sich anfühlt wie der alte Schein: derselbe A6-Abschnitt am unteren Rand eines A4-Blatts, dieselbe perforierbare Linie, derselbe Empfangsschein links. Nur die Codierzeile ist verschwunden und an ihre Stelle ist der Swiss QR Code getreten.
Die Zuordnung zwischen alt und neu ist eins zu eins:
| Früher | Heute | Was du dafür brauchst |
|---|---|---|
| Roter ES, ohne Referenz | QR-Zahlteil ohne Referenz (NON) | Deine normale IBAN, optional eine Mitteilung |
| Roter ES, Betrag offen | QR-Zahlteil ohne Betragsangabe | Betragsfeld leer lassen, der Zahler trägt ihn ein |
| Oranger ESR mit Referenznummer | QR-Zahlteil mit QR-Referenz (QRR) | Eine QR-IBAN und die 27-stellige QR-Referenz |
| ESR im internationalen Umfeld | QR-Zahlteil mit Creditor Reference (SCOR) | Normale IBAN, Referenz im ISO-11649-Format |
Für die meisten Einzelfirmen, Vereine und Vermieter ist die erste Zeile die richtige: normale IBAN, keine Referenz, fertig. Eine QR-IBAN brauchst du nur, wenn du wirklich mit strukturierten QR-Referenzen und automatischem Abgleich arbeitest.
