Kontenplan für Schweizer Selbständige: der vereinfachte Leitfaden mit Beispielen (2026)
Vereinfachter Kontenplan für Schweizer Selbständige: 14 Konten, vollständiges Zahlenbeispiel und gesetzlich geforderter Vermögensnachweis. Praxisleitfaden 2026.
Founder of Magic Heidi
Als Selbständige/r in der Schweiz mit einem Umsatz unter 500'000 CHF brauchst du den offiziellen KMU-Kontenrahmen mit 200 Konten nicht. Ein Plan mit 14 Positionen reicht völlig aus, hier genau welche, mit konkreten Zahlen damit du verstehst, was du am Jahresende produzieren musst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Unter 500'000 CHF Umsatz schreibt das Gesetz die vereinfachte Buchführung vor: ein Einnahmen-Ausgaben-Register und eine Vermögensaufstellung. Keine doppelte Buchhaltung.
- Ein Plan mit 14 Konten deckt 95 % der Situationen für Freelancer in der Wissensarbeit ab.
- Die Konten "Aktiva" und "Passiva" sind nicht für eine formelle Bilanz. Sie dienen ausschliesslich der jährlichen Vermögensaufstellung: Kontostand, offene Forderungen, geschuldete MWST.
- Am Jahresende erstellst du zwei Dokumente. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie sie mit echten Zahlen aussehen.
Was das Gesetz von dir wirklich verlangt
Der Schweizer Kontenplan ist einfach eine geordnete Liste der Kategorien, in die du deine Transaktionen einteilst. Der KMU-Referenzrahmen, veröffentlicht vom SECO, enthält mehr als 200 Konten. Für einen Freelancer reicht ein Dutzend.
Deine Buchführungspflichten hängen von deinem Umsatz ab, gemäss Art. 957 des Obligationenrechts (OR):
Unter CHF 500'000 pro Jahr (die grosse Mehrheit der Selbständigen): vereinfachte Buchführung. Du führst ein Einnahmen- und Ausgabenregister sowie eine Vermögensaufstellung. Keine formelle Bilanz, keine doppelte Buchhaltung, kein Soll und Haben.
Über CHF 500'000 pro Jahr: Die vollständige kaufmännische Buchführung mit Bilanz und Erfolgsrechnung ist obligatorisch.
Für die vereinfachte Buchführung spricht das Gesetz von einem "Verzeichnis über Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage". In der Praxis: eine Tabelle deiner Einnahmen und Ausgaben nach Kategorie, plus eine Liste von dem, was du hast und schuldest, per 31. Dezember.
Der vereinfachte Kontenplan: 14 Konten zum Starten
Die folgende Tabelle enthält zwei Arten von Konten mit sehr unterschiedlichen Funktionen. Bevor du die Nummern anschaust, versteh diesen Unterschied:
- Ertrags- und Aufwandkonten (3400, 6000–6800): die verwendest du täglich. Jede ausgestellte Rechnung, jede geschäftliche Ausgabe läuft hier durch.
- Aktiv- und Passivkonten (1020, 1100, 2000, 2200): die konsultierst du einmal im Jahr, am 31. Dezember. Das Gesetz verlangt eine Vermögensaufstellung, also was du besitzt und was du schuldest zu diesem Datum. Keine Saldenabgleiche nötig. Nur eine Liste.
| Nummer | Kontobezeichnung | Kategorie | Verwendung |
|---|---|---|---|
| 1020 | Bankkonto | Aktiva | Kontostand per 31.12 (Vermögensaufstellung) |
| 1100 | Debitoren | Aktiva | Gestellte, noch nicht bezahlte Rechnungen (Vermögensaufstellung) |
| 1170 | Vorsteuer | Aktiva | Rückforderbare MWST auf Einkäufe, falls MWST-pflichtig |
| 2000 | Eigenkapital | Passiva | Anfänglicher Kapitaleinsatz (Vermögensaufstellung) |
| 2200 | Geschuldete MWST an ESTV | Passiva | Vereinnahmte MWST, die abgeführt werden muss |
| 3400 | Honorare und Leistungen | Ertrag | Alle Einnahmen von Kunden (täglich) |
| 3600 | Sonstige Erträge | Ertrag | Rückerstattungen, diverse Einnahmen (täglich) |
| 6000 | Büro- und Raumkosten | Aufwand | Büromiete, Coworking (täglich) |
| 6200 | Reisekosten | Aufwand | Bahn, Auto, geschäftliche Unterkunft (täglich) |
| 6300 | Verwaltungskosten | Aufwand | Telefon, Internet, Material (täglich) |
| 6400 | Marketing und Kommunikation | Aufwand | Website, Werbung, Tools (täglich) |
| 6600 | Versicherungen und AHV-Beiträge | Aufwand | AHV, Berufshaftpflicht, 2. Säule (täglich) |
| 6700 | Weiterbildung | Aufwand | Kurse, Bücher, Konferenzen (täglich) |
| 6800 | Software und Abonnements | Aufwand | Berufliche Tools (täglich) |
Diese vierstelligen Nummern stammen aus dem KMU-Referenzrahmen, der in neun Klassen strukturiert ist (Umlaufvermögen, Anlagevermögen, Betriebsaufwand, Personalaufwand usw.). Dieses System ist für Unternehmen mit Lagerbestand, Angestellten und Maschinen konzipiert. Das hast du wahrscheinlich nicht. Daher der vereinfachte Plan mit 14 Konten. Die Nummern sind gesetzlich nicht vorgeschrieben, sie sind nützlich, weil sie ein von Treuhändern und Software anerkannter Standard sind.
Konten je nach Tätigkeit ergänzen
- Du kaufst Waren zum Wiederverkauf: Füge 3000 Warenverkauf und 4000 Wareneinkauf hinzu.
- Du hast ein dediziertes Fahrzeug: Trenne 6200 in 6220 Fahrzeugkosten auf.
- Du beschäftigst Personal: Füge 4000 Löhne und 5000 Sozialversicherungsbeiträge hinzu.
Anpassungen nach Branche
Web- oder IT-Entwickler: Erstelle Unterkonten für Softwarelizenzen (6801), Serverkosten (6802) und Zertifizierungen (6701). Alle Einnahmen laufen über Konto 3400.
Grafiker oder Kreative: Füge ein Konto für Hardware (6810) und Abonnements für Kreativ-Tools (6811 für Adobe, Figma usw.) hinzu. Bei Weiterverkauf von Dateien oder digitalen Lizenzen verwendest du ebenfalls 3400.
Handwerker oder manuelle Selbständige: Falls du Material kaufst, das du in deine Leistung einarbeitest, füge 4000 für Materialeinkauf und 3000 für Fertigprodukte oder umgearbeitete Waren hinzu.
Ein Jahr in Zahlen: vollständiges Beispiel
So sehen die beiden gesetzlich geforderten Dokumente konkret aus. Marc ist selbständiger IT-Berater in Lausanne, nicht MWST-pflichtig (Umsatz unter 100'000 CHF).
Einnahmen- und Ausgabenrechnung 2025
Einnahmen (Konto 3400, Honorare)
| Datum | Kunde | Beschreibung | Betrag CHF |
|---|---|---|---|
| 15.01 | Gesellschaft A | Entwicklung Januar | 4'800 |
| 28.02 | Gesellschaft A | Entwicklung Februar | 4'800 |
| 31.03 | Gesellschaft B | Systemprüfung | 3'200 |
| ... | ... | ... | ... |
| 30.11 | Gesellschaft A | Entwicklung November | 4'800 |
| 15.12 | Gesellschaft C | React-Schulung | 2'500 |
| Total vereinnahmte Einnahmen | 72'400 |
Ausgaben nach Kategorie
| Konto | Kategorie | Betrag CHF |
|---|---|---|
| 6000 | Coworking Lausanne (12 x 250 CHF) | 3'000 |
| 6200 | Geschäftsreisen (Bahn, Flug) | 1'840 |
| 6300 | Telefon + Internet | 1'200 |
| 6400 | Website + LinkedIn Premium | 680 |
| 6600 | AHV-Beiträge (provisorisch) | 8'400 |
| 6600 | Berufshaftpflichtversicherung | 480 |
| 6700 | Weiterbildung (Zertifikate, Online-Kurse) | 950 |
| 6800 | Software (JetBrains, GitHub, Figma) | 720 |
| Total Ausgaben | 17'270 |
Jahresergebnis 2025: 72'400 - 17'270 = 55'130 CHF
Dieses Ergebnis trägst du in deiner Steuererklärung als Einkommen aus selbständiger Tätigkeit ein.
Vermögensaufstellung per 31. Dezember 2025
Das zweite gesetzlich geforderte Dokument. Es dauert fünf Minuten, sobald du deine Zahlen hast.
Was Marc besitzt (Aktiva)
| Konto | Beschreibung | Betrag CHF |
|---|---|---|
| 1020 | Kontostand Geschäftskonto | 18'340 |
| 1100 | Rechnung Gesellschaft C vom 15.12 (noch nicht bezahlt) | 2'500 |
| Total Aktiva | 20'840 |
Was Marc schuldet (Passiva)
| Konto | Beschreibung | Betrag CHF |
|---|---|---|
| 2200 | Keine (nicht MWST-pflichtig) | 0 |
| Total Passiva | 0 |
Nettovermögen: 20'840 CHF
Das ist alles. Die Spalten müssen sich nicht ausgleichen. Die Vermögensaufstellung zeigt nur, was du hast und was du per 31. Dezember schuldest.
Falls Marc MWST-pflichtig gewesen wäre: Er hätte beim Konto 2200 die vereinnahmte, noch nicht an die ESTV abgeführte MWST eingetragen, zum Beispiel 203 CHF MWST (8,1 %) auf der Rechnung von 2'500 CHF vom Dezember. Dieser Betrag erscheint bei den Passiva, weil er der ESTV gehört, nicht Marc.
Kontenplan und MWST: was sich ändert
Die MWST verändert deinen Kontenplan nicht grundlegend. Sie fügt zwei Geldflüsse und zwei zusätzliche Konten hinzu.
In der Schweiz musst du dich bei der ESTV für die MWST anmelden, sobald dein weltweiter Umsatz CHF 100'000 pro Jahr erreicht. Darunter bist du befreit.
| Konto | Funktion |
|---|---|
| 1170 Vorsteuer | Die MWST, die du auf geschäftliche Einkäufe zahlst und von der ESTV zurückfordern kannst |
| 2200 Geschuldete MWST an ESTV | Die MWST, die du auf Kundenrechnungen erhebst und an die ESTV abführen musst |
Der Normalsatz 2026 beträgt 8,1 %. Zwei Sondersätze existieren: 2,6 % (Lebensmittel, Bücher, Medikamente) und 3,8 % (Beherbergung).
Zwei MWST-Abrechnungsmethoden gibt es in der Schweiz:
- Effektive Methode: Du berechnest jedes Quartal exakt die vereinnahmte und abziehbare MWST.
- Saldosteuersatzmethode (SSSM): Du wendest einen Pauschalsteuersatz auf deinen Umsatz an. Einfacher, aber nicht immer vorteilhaft je nach Branche.
Dein Treuhänder kann dir bei der Wahl helfen. Wenn du eine für die Schweiz konzipierte Software verwendest, werden beide Methoden automatisch gehandhabt.
Welches Tool für diesen Kontenplan?
Wenn du deine Einnahmen und Ausgaben das ganze Jahr über nach Kategorie erfasst, wird die Vorbereitung deiner Steuererklärung zur Sache von ein paar Stunden.
Excel oder manuelle Tabelle
Geeignet für geringe Volumina, weniger als 50 Transaktionen pro Monat. Erstelle eine Spalte Einnahmen, eine Spalte Ausgaben, eine Spalte Kategorie. Hauptrisiko: Fehler und fehlende Daten am Jahresende, wenn du aus dem Gedächtnis rekonstruierst.
Allgemeine Buchhaltungssoftware
Tools wie Banana Accounting sind leistungsstark, aber für Buchhalter konzipiert. Erfordern aufwändige Konfiguration und Buchhaltungskenntnisse, um Fehler zu vermeiden.
Software für Schweizer Selbständige
Der Kontenplan ist vorkonfiguriert. Du erfasst Rechnungen und Ausgaben, die Software ordnet sie automatisch den richtigen Konten zu. Schweizer MWST integriert. Exportiere ein Dokument, das dein Treuhänder sofort verwenden kann.
